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Anschrift: 50670 Köln, Neusser Wall 33

 

KVB: U 12 und 15, Haltestelle Lohsestraße (600m Fußweg), U 16 und 18, Haltestelle Reichensperger Platz (450m Fußweg), Buslinie 140, Haltestelle "Worringer Straße", AST-Linie 184, Haltestelle "Lentpark"

 

PKW-Parkplatz: P+R am Zoo

 

GPS-Koordinaten: 50.957064, 6.961575

 

Fort X – ein Kölner Kleinod

Halb verborgen hinter großen Bäumen, von den umgebenden Straßen fast nicht zu sehen, liegt das Fort X am Neusser Wall 33 in der Kölner Neustadt-Nord. So versteckt, am Rand der Kölner Innenstadt, lag es nicht immer. Dies hat sich erst seit der Grundsteinlegung bis heute so entwickelt.

 Am 4. Oktober 1819 wurde mit den Bauarbeiten am Fort X begonnen. Es war eines von insgesamt elf linksrheinischen detachierten Forts. Die Forts wurden zur Verstärkung der Stadtverteidigungsanlagen ca. 500 – 900 m im Halbkreis vor der Stadtmauer, zwischen 1816 – 1847, errichtet. Das Fort X wurde bereits 1825 in seiner ersten Version fertig gestellt.

Nach Fertigstellung legte der Preußische König Friedrich Wilhelm III für die ersten fünf Forts Namen fest. Am 9. September 1825 bekam Fort X den Namen „Prinz Wilhelm von Preußen“, den es bis heute führt. Friedrich Wilhelm Karl, Prinz von Preußen (* 3. Juli 1783; † 28. September 1851) war der dritte jüngere Bruder des Königs Friedrich Wilhelm III von Preußen. Er war Generalgouverneur der Rheinprovinzen.

Fort X ist in seinem heutigen Erhaltungszustand für Köln einmalig. Es ist das einzige Fort der ersten Bauphase (1816 – 1825), in dem der Gesamtzusammenhang der einzelnen fortifikatorischen Elemente noch anschaulich zu erkennen ist.

Der heutige Bauzustand ist eine Mischung aus den letzten Modernisierungen der 1860er Jahren und der Zeit 1882-1891, als Fort X in die neue Stadtumwallung integriert war. Mit der Umgestaltung zum Grünen Fort nach den Ideen von Fritz Enke wurden in den 1920er Jahren weitere Bauelemente verändert. Beschädigungen im 2. Weltkrieg, der Teilabriss des Kehltambours in 1960er Jahren sowie die Rekonstruktion der beschädigten Teile waren die zuletzt durchgeführten Veränderungen.

Aus der ersten Bauphase des Fort X sind vermutlich keine Dokumente überliefert, zumindest wurden bis heute keine gefunden.

Landkarten der Stadt und Festung Köln von 1845 und 1873 lassen jeweils auf Details schließen. Das Fort wurde, wie alle anderen, ständig modernisiert und verstärkt. Diese kontinuierlichen Modernisierungen waren die Konsequenz der zum einen sichtbar werdenden Baumängel, z.B. mangelhafte Dachentwässerung, als auch der Anpassung an die sich schnell weiterentwickelnde Angriffsbewaffnung, vor allem der Artillerie.


 

Bauphase 1816 – 1825

Das Fort X bestand aus einem halbrunden bombensicheren Reduit mit zwei kehlseitigen Traditoren, alles jeweils mit zwei oberirdischen Etagen. Das Reduit wurde geschützt durch einen feindwärts vorgelagerten Erdwall, dem trockene Graben und dem Glacis mit dem gedeckten Weg. Unter dem Glacis befanden sich gemauerte Minenanlagen. In den bombensicheren Räumen konnten etwa 300 Mann mit den nötigen Munitions- und Proviantvorräten untergebracht werden. Fort X hatte kein baugleiches Pendant. Es unterschied sich im wesentlichen von den vier anderen zeitgleich gebauten Forts durch die extrem kurzen Flanken und die in Köln einmaligen, in der Kontereskarpe liegenden Reverskaponnieren.

 


 

Das Kernwerk

Fort X bestand aus einem im Grundriss halbrunden Reduit mit zwei Treppentürmen. An das Reduit waren zwei Traditoren angebaut, die keinen direkten Zugang zum Reduit hatten. Aus den Traditoren konnte sowohl der Kehlgraben als auch der Zwischenraum zu den beiden ab 1841 gebauten Nachbarforts mit Geschützfeuer gesichert werden. Auf der Kehlseite war das Reduit ausschließlich mit Ziegeln gemauert, auf der Frontseite hingegen in ganzer Breite in Säulenbasalt ausgeführt. Zusätzlich war die Frontseite mit Breschierbögen verstärkt.

 

 

 

Blick auf das Reduit, in der Mitte der rechte Treppenturm, rechts der Traditor

 

 

Erdgeschoß und erste Etage des Reduit hatten jeweils 16 Kasematten. Im Obergeschoß waren ausschließlich Geschützscharten eingebaut. Die beiden Traditoren hatten je drei Kasematten pro Etage. Die Latrinen in Erd- und Obergeschoß waren mit Gewehrscharten versehen.

Die Kasematten im Reduit waren nicht mit einem separaten Gang verbunden, sondern man musste von den Treppentürmen kommend alle anderen Kasematten durchqueren

Im Erdgeschoß des Reduits gab es jeweils acht Kasematten mit Gewehr- und acht Kasematten mit Geschützscharten. In den Traditoren waren alle Kasematten im Erdgeschoß mit einer Geschütz- und links und rechts daneben mit Gewehrscharten ausgestattet.

Im Kellergeschoß befand sich ein umlaufender Gang, der ebenfalls über die beiden Treppentürme zu erreichen war. Er reichte nicht bis zu den Traditoren. In diesem Gang sind heute noch die vorbereiteten Eingänge zu sieben Minengängen erkennbar, die Richtung Enveloppe führten. Wie weit die Gänge tatsächlich bis in den Enveloppenhof führten ist heute auf Grund von Vermauerungen nicht mehr erkennbar.

Im Kehlhof sind noch die Schächte erkennbar, über die der Abraum aus den Minengängen entsorgt werden sollte. Nach jetzigen Erkenntnissen waren die Traditoren nicht unterkellert.

 

Bild fehlt noch

linker Traditor, im EG Geschützscharte flankiert durch zwei Gewehrscharten

Auf dem Foto ist die Frontseite des linken Traditors zu sehen. Die Dreier-Gliederung der Scharten im Erdgeschoß, sowie die einzelne Geschützscharte im Obergeschoß entsprechen der Originalbauweise. Über der Geschützscharte im Erdgeschoß ist die Öffnung eines Dampfabzuges zu erkennen. Der Pulverdampf des Obergeschosses wurde über das Dach abgeleitet. Die Frontseite der Traditoren war mit starken Breschierbögen verstärkt. Vor den Traditoren befand sich ein Diamantgraben.

 


 

Der Graben und das Glacis

Das Fort war umschlossen von einem trockenen Graben. An diesem mit Eskarpe und Kontereskarpe gefassten Graben folgte das mit Minengängen vorbereitete Glacis. Zwischen Graben und Glacis hat sich vermutlich der gedeckte Weg befunden. Im Gegensatz zu allen anderen Forts waren die Kaponnieren nicht an die Kontereskarpenmauer angelehnt, sondern wirkten aus der Basis flankierend auf die ganze Grabenlänge als Reverskaponnieren.

Bild fehlt noch

Eskarpenmauer rechts, mit Breschierbögen und Gewehrscharten


 

Veränderungen bis 1873

Da die Artillerietechnik seit 1860 einen großen Sprung in der Entwicklung gemacht hatte, musste die Enveloppe verstärkt werden. Dies geschah durch eine Erhöhung der Enveloppe, so dass das Mauerwerk des Reduit aus Angriffsrichtung vollständig geschützt war. Das Fort X verlor damit die Fähigkeit aus der oberen Etage über die Enveloppe auf einen Angreifer schießen zu können. Um wieder eine entsprechende Anzahl von Geschützen  einsetzen zu können wurden auf dem Dach des Reduit Artilleriestellungen errichtet. Zusammen mit den Artilleriestellungen auf der Enveloppe hatte das Fort nun wieder zwei Geschützebenen.

 

Kartenausschnitt von 1873

Auf dem Kartenausschnitt von 1873 ist im Enveloppenhof ein neues Gebäude zu erkennen, ein sog. Hangar. Er bot Soldaten und Geschützen auf dem Alarmsammelplatz einfachen Schutz. Auf der Enveloppe sind sechs Traversen zu erkennen. Sie boten den Geschützbesatzungen Schutz vor Flankenfeuer und Geschoßsplittern. Zwei Rampen führten auf die Enveloppe und ermöglichten schnellen Nachschub an Munition, ggf. auch das Ersetzen eines Geschützes.

 


 

Umgestaltung zur Gartenanlage

Friedrich August Ernst Encke, genannt Fritz Encke war städtischer Gartenbaudirektor in Köln. Er entwarf zahlreiche Parkanlagen und Plätze in Köln, auch die Umgestaltung des Fort X in den 1920er Jahren.

 

Planausschnitt von 1919

Auf dem Planausschnitt sind die gartengestalterischen Elemente gut zu sehen. Nach Abriss der neuen Stadtumwallung war das Fort X in seinen wesentlichen Elementen noch erhalten. Die Grundelemente des Forts wurden in die Planung mit integriert. Die wesentliche Veränderung erfuhr die Enveloppe. Die Traversen wurden eingeebnet und auf der Fläche entstand der Rosengarten. Der Graben wurde mit Bäumen begrünt. In die übrige Bausubstanz wurde nicht eingegriffen.


 

2. Weltkrieg bis heute

Durch die schweren Bombardierungen der Kölner Innenstadt wurde auch das Fort X beschädigt. Zwei Volltreffer sind nachweisbar, einer zerstörte das Obergeschoss des rechten Traditors, der andere beschädigte die Kasematten der Mortierbatterie in der Spitze des Forts.

Der Keller des Reduit und die Defensionsgalerie wurden als Luftschutzbehelfsbauten genutzt, wie heute noch an den Luftschutztüren im Keller und an den Betonverstärkungen in der linken Defensionsgalerie zu sehen ist.

Nach Ende des Krieges wurde das Fort mit ausgebombten Familien belegt. Der letzte Bewohner und „gute Geist“ des Fort X, Georg Polster, ist im Mai 2011 verstorben.

Der Rosengarten und der Traditor wurden inzwischen wieder hergerichtet. Der Baumbestand und die Beete im Graben sind pflegeleichtem Rasen und zwei Spielplätzen gewichen.

Wie bei allen preußischen Befestigungsanlagen, die zwischen 1815 bis 1918 errichtet wurden, musste auch von Fort X kein Schuss bei einer kriegerischen Auseinandersetzung abgegeben werden. Heute sind Traditionskorps und Pfadfinder Nutzer des über 185 Jahre alten Forts.

Der Rosengarten ist von Anfang Mai bis Ende September ein Ort der Ruhe und der Erholung. Auf den beiden, für jeweils unterschiedliche Altersgruppen vorgesehenen, Spielplätzen ist reger Betrieb. Oft ist im Graben eine Gruppe Männer anzutreffen, die, wie der ehemalige Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer, eine Variante von Boule spielen.